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»Hör mir zu, Grasflug! In dieser Nacht werden zwei Junge geboren werden - unterschiedlich wie Sonne und Mond, und doch ebenso unzertrennlich. Doch während das eine die Clans in glorreiche Zeiten führen kann, kann das andere sie zerstören. Nimm dich in Acht!«


In einer tiefen, verschneiten Nacht mitten in der Blattleere erhält der FinsterClan-Heiler Grasflug eine beunruhigende Prophezeiung vom SternenClan: Ein Junges wird geboren, in dessen Pfoten das Schicksal aller Clans liegt. Es kann sie retten oder zerstören. Und als in ebendieser Nacht die beiden Schwestern Nebeljunges und Schneejunges geboren werden ist Grasflug klar: Eine der beiden Kätzinnen ist das Junge aus der Prophezeiung! Als Nebeljunges entdeckt, dass sowohl sie als auch ihre Schwester besondere Fähigkeiten haben, ändert sich Alles ...

HierarchieBearbeiten

FinsterClanBearbeiten

Anführerin:

Zweite Anführerin:

Heiler:

Krieger:

Schüler:

Königinnen:

Älteste:

PrologBearbeiten

Tiefe Dunkelheit lag über dem Wald. Der nächtliche Sternenhimmel war mit schwarzen Wolken bedeckt, aus denen unnachgiebig dicke, weiße Schneeflocken rieselten und sich über den Wald legten wie eine Decke. Nebel zog in Schwaden durch die dicken, bemoosten Stamme der vielen Tannen und Kiefern und vereinzelt ragten Sträucher und kleinere Bäume aus ihm heraus.
Zwei Katzen huschten durch das Unterholz, eine goldbraun getigerte voran, eine kleinere schwarze hinterher. Lautlos setzten sie über umgestürzte Baumstämme, über zugefrorene Bäche und Steinbrocken. Die Schwarze versuchte mühevoll mit dem Größeren mitzuhalten, doch ihre Beine waren kürzer und immer wieder musste sie sich den Schnee aus ihrem dicken Pelz schütteln.
Die beiden Katzen erreichten einen sanft ansteigenden, felsigen Hang. Der Tigerkater blieb stehen und wartete auf die Schwarze. Zufrieden nickte er, als sie keuchend zu ihm glitt, und kletterte geschwind den Hang hinauf. Die Schwarze folgte.
Es dauerte nicht lange, und sie hatten die Spitze des Hangs erreicht. Hinter ihnen lag der Weg, den sie gekommen waren, doch vor ihnen fiel der Boden steil zu einer Felsklippe ab, die etliche Fuchslängen in die Tiefe führte. Unter ihnen breitete sich eine unglaubliche Aussicht aus.
Der schwarze Nachthimmel breitete sich bis zum Horizont aus, die dunklen Wolken rissen allmählich auseinander. Weit unter ihnen lag der verschneite Wald still im Nebel. Hier und da ragte die Spitze eines schneebedeckten Baumes aus den Schwaden. Weiße Flocken segelten durch die Luft.
Der Getigerte ließ sich im Schnee nieder und legte den geringelten Schwanz sorgfältig um die Pfoten. Dann ließ er seinen stechenden Blick über die Landschaft gleiten.
Hinter ihm brach die Schwarze aus dem Gestrüpp, keuchend. Als sie den Kater entdeckte, verstummte sie und näherte sich ihm vorsichtig. »Grasflug?«, miaute sie. »Alles in Ordnung?«
Der Goldene wandte sich zu ihr um und musterte sie aus unergründlichen, grünen Augen. »Setz dich, Distelpfote.«
Die Schwarze tat wie ihr geheißen. »Warum sind wir hergekommen?«, wollte sie wissen.
»Damit du eine Lektion lernst«, knurrte der Goldene. »Sieh dich um. Was siehst du?«
Die Schwarze verengte die Augen. »Den Wald«, antwortete sie dann verwirrt.
Der Goldene grummelte etwas Unverständliches. »Sieh genauer hin«, verlangte er.
Die Schwarze legte die Ohren an. »Was soll das, Grasflug?«, fragte sie mit blitzenden Augen. »Es ist eisig und mitten in der Nacht und ich bin müde und friere. Lass uns zurück uns Lager gehen.«
»Nein«, fauchte Grasflug. »Nicht, bevor du deine Lektion gelernt hast. So schwer kann das doch nicht sein.« Er seufzte und wies zum Himmel. »Achte auf die Wolken. Zeigen sie dir irgendetwas? Irgendwelche besonderen Formen?«
Distelpfote legte den Kopf in den Nacken und musterte die Wolken eingehend. »Da ist nichts ...« Ihr Schwanz schoss in die Höhe. »Nein, warte! Sieh!« Sie wies in den Himmel.
Eine bedrohliche, tiefschwarze Wolke zog über den Himmel, ständig änderte sie ihre Form. Es bildeten sich Ohren, Beine, Schwanz ...
»Eine Katze!«, rief Distelpfote aus. »Ich sehe eine Katze!« Mit glänzenden Augen wandte sich zu Grasflug um. »Was hat das ...« Sie verstummte schlagartig.
Grasflug hatte die Augen weit aufgerissen, wie gebannt hingen sie an der Wolkenformation. Er erschauderte, sein Schwanz krümmte sich ängstlich. Einen Moment lang saß er wie gelähmt da, dann sprang er hastig auf die Pfoten.
Distelpfote tat es ihm nach und folgte dem Kater, der in die Richtung zurück eilte, aus der sie gekommen waren. »Was ist los?«, fragte sie atemlos, als sie ihn einholte.
»Die Übung ist beendet«, knurrte Grasflug.
Distelpfote riss die Augen auf. »Aber warum?« Ihr dichter Pelz sträubte sich vor Aufregung. »War das eine Botschaft des SternenClans? Was bedeutet sie?«
»Ich weiß es nicht«, fauchte Grasflug knapp. »Aber es bedeutet nichts Gutes. Wir müssen direkt mit den Ahnen in Kontakt treten.«
Der Getigerte preschte voran, Schnee stob unter seinen wirbelnden Pfoten auf. Distelpfote rannte hinterher und versuchte verzweifelt, im dichten Schnee mit ihm Schritt zu halten. Mit trommelnden Pfoten preschten die beiden Katzen durch den Wald, ohne auch nur ein einziges Mal zurückzublicken. Grasflug hatte das Fell beunruhigt gesträubt, Distelpfote folgte dem Älteren neugierig.
Schließlich bog Grasflug abrupt zwischen zwei Felsen ab, schlitterte ein Stück abwärts und tauchte dann geschmeidig in einen niedrigen Tunnel ein, der in den felsigen Hügel hineinführte. Distelpfotes Nackenfell stellte sich vor Aufregung auf, als sie sich unter den Felsen duckte und dem Kater in den Gang folgte.